Carsten Sann

Zu guter Letzt … (Mai 2026)

Die Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich.

Theodor Reik

Ich lese gerade ein Buch – The Fourth Turning, von William Strauss und Neil Howe. Es ist schon ein wenig älter, fast 30 Jahre, um genau zu sein, aber dennoch hat es nichts an seiner Aktualität verloren. Und das liegt vor allem daran, dass es einen Glaubenssatz, den ich seit meiner Kindheit habe, in Frage stellt. Auch sie haben diesen Glaubenssatz vermutlich. Bevor es gleich philosophisch wird, lassen sie uns gemeinsam noch einen tiefen Atemzug nehmen und uns erden.

Ein Glaubenssatz auf dem Prüfstand

Ich bin ein Kind der 1970er Jahre, aufgewachsen in den 80ern, erwachsen geworden in den 90ern. Damit hatte ich das Glück, die längste Zeit meines Lebens in einer der stabilsten und prosperierendsten Phasen zu leben, die Europa und die westliche Welt in der Geschichte je erlebt haben. Für mich war immer klar, dass die Menschheit nach der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs ihre Lektion gelernt hat, dass es zwar gelegentlich noch ein wenig holpert, aber dass die Richtung stimmt. Achtung: Gleich werde ich sagen: „Ich habe mich getäuscht.“ Und wenn sie an dieser Stelle darüber nachdenken, nicht weiterzulesen, dann möchte ich ihnen vorab versichern, dass die Erkenntnisse, die ich im Weiteren noch gedenke niederzuschreiben, vollständig positiv und konstruktiv sind.

Lassen sie mich es nun also hinter mich bringen: Ich habe mich getäuscht. Nach allem, was man draußen in der Welt so beobachten kann, hat die Menschheit nichts gelernt und es hat den Anschein, dass man bereit ist, sich in einen neuen Weltkrieg zu stürzen. Wobei hier eine kleine Präzisierung notwendig ist: Nicht sie oder ich oder die Mehrzahl der Menschen ist dazu bereit. Vielmehr funktionieren die Hebel der Macht anscheinend immer noch genauso gut wie früher, und wenn es im Interesse der Hebel-Bediener ist, mal wieder Krieg zu spielen, dann folgt der Bürger. Das war früher so und daran scheint sich wenig geändert zu haben.

Im ersten Moment sieht das aus wie eine niederschmetternde Erkenntnis. Wenn wir nichts gelernt haben, ist dann die nächste Katastrophe quasi vorprogrammiert? Radio Eriwan sagt: Im Prinzip ja, aber …

Geschichte ist kein Pfeil nach oben

Ich hatte ihnen versprochen, ihnen von meinem Glaubenssatz zu erzählen. Dieser lautete: Die Geschichte verläuft linear. Nicht zuletzt aus dem Buch „The Fourth Turning“ habe ich gelernt, dass das vermutlich nicht wahr ist. Und das ist sowohl eine gute als auch eine schlechte Nachricht. Aber bevor ich genauer darauf eingehe, muss ich kurz noch etwas über die zentralen Thesen des Buchs sagen.

Die Autoren argumentieren gegen die Idee, dass Geschichte eine kontinuierliche Aufwärtsbewegung von Fortschritt, technologischer Entwicklung und wachsender Aufklärung sei. Stattdessen greifen sie auf ein älteres, zyklisches Modell zurück, das sie „Saeculum“ nennen — ein Begriff aus dem Etruskischen/Römischen, der ursprünglich die längste menschliche Lebensspanne bezeichnete, also etwa 80–100 Jahre.

Die vier Wendungen eines Saeculums

Jedes Saeculum gliedert sich in vier aufeinanderfolgende Phasen („Wendungen“) von jeweils etwa 20–25 Jahren, die sich in der Stimmung einer Gesellschaft fundamental unterscheiden:

Die erste Wendung ist die Hochphase nach einer großen Krise: Starke Institutionen, kollektiver Konsens, Optimismus, konformistisch. Die Nachkriegszeit 1946–1964 ist hier das greifbarste Beispiel – Stichwort „Wirtschaftswunder“. Dann folgt die Phase des „Erwachens“: Rebellion gegen die erstarrten Institutionen der Hochphase, spirituelle und kulturelle Umbrüche, Individualismus, Infragestellung der Ordnung. Manche erinnern sich vielleicht noch an die „Bewusstseins-Revolution“ in den Jahren zwischen 1964–1984 mit ihrer Gegenkultur und der 68er-Bewegung.

Die dritte Wendung bezeichnen die Autoren als „Unraveling“ (zerfasern, sich auflösen, erodieren): Institutionen werden schwächer, Individualismus dominiert, Zynismus, kulturelle Fragmentierung, Polarisierung. Die Jahre von 1984 bis ca. 2008 fallen in diese Phase. Und schließlich folgt die vierte Wendung, die Krise: Die bestehende Ordnung bricht zusammen oder wird fundamental neu geformt. Existenzielle Bedrohung, aber auch Neugründung.

Die Autoren nennen vor allem Beispiele aus der amerikanischen Geschichte für solche Phasen der Krise, dafür allerdings über mehrere Jahrhunderte hinweg: Revolution + Unabhängigkeit (1775–1783), Bürgerkrieg (1861–1865), Weltwirtschaftskrise + Zweiter Weltkrieg (1929–1945). Wenn wir nun Adam Riese bemühen, befinden wir uns also aktuell wieder mitten im Zeitfenster für ein „Fourth Turning“ und wenn ich mich draußen in der Welt umsehe, bin ich geneigt zu sagen, dass die Theorie zu halten scheint.

Die Generationen sind der Motor

Das wirklich Spannende an der Theorie ist der Mechanismus, der den Zyklus antreibt. Strauss/Howe erklären die zyklische Natur der Geschichte nicht mit mystischen Kräften oder Naturgesetzen, sondern soziologisch:

Jede Generation wird durch das Turning geprägt, in dem sie aufwächst — und reagiert als Erwachsene auf das, was die vorherige Generation geschaffen hat. Daraus entstehen vier, immer wiederkehrende Generationenarchetypen: Prophet (idealistisch, im Hoch geboren, prägt das Erwachen), Nomade (pragmatisch-zynisch, während eines Erwachens geboren), Held (bürgerlich-kollektivistisch, im „Unraveling“ geboren, bewältigt die Krise) und Künstler (anpassungsfähig, in der Krise geboren).

Ich selbst bin Teil der aktuellen Nomaden-Generation. Wenn sie ein wenig älter und Babyboomer sind, dann ist das der Archetyp des Propheten, und wenn sie ein wenig jünger sind („Millennial“), dann ist das der Helden-Archetyp. Fun Fact am Rande: Der Begriff des Millennials wurde tatsächlich zuerst durch dieses Buch geprägt und hat es inzwischen in den allgemeinen Sprachgebrauch geschafft. Aber zurück zum großen Bild.

Nach vier Generationen ist die prägende Erinnerung an das letzte Saeculum verloren — und der Zyklus beginnt von vorn, weil niemand mehr lebt, der die alten Fehler vermeiden könnte. Damit ist das Bild, das sie von der Geschichte zeichnen, alles andere als linear, aber wegen der gesellschaftlichen und technologischen Entwicklung auch nicht einhundert Prozent zyklisch. In meiner Vorstellung ist es eher eine Spirale – aber eine aufsteigende, bitte schön.

Mitten in der Krise — und warum das auch eine gute Nachricht ist

Und warum ist das jetzt sowohl gut als auch schlecht? Naja, schlecht – oder lassen sie mich lieber sagen „anstrengend“ – ist, dass wir uns offensichtlich mitten in der Krise befinden, und wenn ich mich zurückerinnere, war es zumindest im Außen vor 2008 deutlich weniger (oder zumindest anders) chaotisch. Das Gute daran ist, dass nach der Krise jedes Mal ein neues Hoch gekommen ist. Es gilt also auch hier das, was immer gilt: This too shall pass.

Die brennende Frage an dieser Stelle lautet nun selbstverständlich: wann? Wann ist die Phase der Krisen vorbei? Darauf gebe ich mir selbst Antworten aus verschiedenen Quellen, die interessanterweise im Wesentlichen dasselbe sagen.

Und wann ist es vorbei?

Zum einen, wenn wir wieder die Theorie der „Four Turnings“ bemühen, ist das Zeitfenster für den Beginn der nächsten Hochphase etwa 2030. Oft lassen sich laut Strauss und Howe die Wendepunkte erstaunlich genau lokalisieren, beispielsweise die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten 1776. In einem Nachfolgewerk (The Fourth Turning Is Here, 2023) schreibt Howe, dass er die Finanzkrise 2008 als den Beginn der aktuellen Wendung ansieht. Dementsprechend ist damit zu rechnen, dass diese Phase zwischen 2028 und 2033 vorbei sein wird.

Eine zweite Quelle ist die im „Zu guter Letzt …“ vom Februar beschriebene Information aus den Kryon-Channelings von Lee Carroll. Er spricht seit Jahrzehnten von einem 36 Jahre dauernden Transformationsprozess, der 1994 begonnen hat, 2012 (beim Nicht-Weltuntergang aufgrund des Maya-Kalenders) seinen Höhepunkt hatte und rechnerisch ebenfalls im Jahr 2030 endet.

Prognosen sind eine schwierige Sache, besonders wenn sie die Zukunft betreffen. Ich weiß nicht, ob die Welt in vier Jahren besser oder schlechter sein wird. Was ich aber weiß, ist, dass sich die Theorie des „Fourth Turning“ und die Informationen von Lee Carroll für mich integer und schlüssig, man könnte fast sagen „wahrhaftig“ anfühlen. Und ich entscheide mich, meinen Fokus darauf zu richten, dass nichts, aber auch gar nichts im Universum auf ewig linear ist. Im Buddhismus heißt das dann: „Was immer die Natur hat zu entstehen, hat auch die Natur zu vergehen“ … und es wird etwas Neues daraus entstehen.

Mit dem Chaos leben lernen

Bis dahin versuche ich, das Chaos zu akzeptieren, und jeden Tag das zu tun, was mir hilft, bestmöglich damit umzugehen. Essenzen helfen mir dabei. Und wenn sie mehr darüber lernen möchten, wie sie sich selbst oder andere mit Australischen Buschblüten Essenzen unterstützen können, dann ist jetzt noch Zeit, sich für das Grundlagenseminar „Die Sprache der Australischen Buschblüten Essenzen“ mit dem Hersteller Ian White anzumelden. Wir sehen uns im Juni in Aschaffenburg 😊

Liebe Grüße
Carsten Sann
Der Essenzenladen

Carsten Sann

Carsten Sann ist Gründer und zusammen mit seiner Frau Inhaber des Essenzenladens. Er hat sich in seinem Leben schon mit einer Reihe unterschiedlichster Professionen beschäftigt und war unter anderem Tanzlehrer, IT Spezialist und Kinesiologe. Er beschäftigt sich seit 20 Jahren intensiv mit Blütenessenzen aus aller Welt. Er ist deutscher Distributor und Lehrer für viele der bekanntesten Essenzenhersteller und spricht in seinem Essenzenpodcast über sein Lieblingsthema: Die Anwendung von Blütenessenzen

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Avatar-Foto
    Dr.Franziska Fuchs

    Interessant und neue Perspektiven eröffnender Beitrag
    –Wie schon so oft– geschrieben um tiefer zu wirken!!!
    Vielen lieben Dank. Dr.Franziska Fuchs

    1. Carsten Sann
      Carsten Sann

      Vielen Dank – ich freue mich, wenn ich Sie an meiner Reise teilhaben lassen kann :-)

  2. Avatar-Foto
    Martin Peschkes

    Hallo Carsten,

    gestern habe ich mir ein YouTube Video von Philip Hopf und Dominik Kettner mit Michael Nehls
    angesehen.
    https://www.youtube.com/watch?v=vSJ5ErcyTfc
    Dort hat Dr Michael Nehls gemeint, dass viele unserer Ängste und Mangelerscheinungen, bis hin zur Unfruchtbarkeit auf dem bewußt erzeugten Lithium Mangel basieren. Ist Dir das Thema bekannt?
    Kennst Du Lithium Essenzen?
    LG Martin Peschkes

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