Hatte ich schon einmal erwähnt, dass wir uns in einem großen Transformationsprozess befinden? Ich bin mir da nicht sicher …
Aber Spaß beiseite – heute möchte ich darüber schreiben, warum mir die 3D Effekte der Transformation, vor allem das Thema Künstliche Intelligenz, keine Angst machen und warum auch Sie keine Angst haben sollten.
Virtuelle Ängste sind nutzlos
Auf der Meta-Ebene gibt es das vollständig wahre, jedoch manchmal schwer umzusetzende Argument, dass es keinerlei Nutzen hat, wenn wir vor etwas Angst haben, außer es handelt sich dabei um einen Säbelzahntiger. Mit anderen Worten: Angst vor realen, akuten und unmittelbaren Gefahren ist sinnvoll, weil sie unser Leben retten kann. Angst vor potenziellen oder virtuellen Gefahren ist Energieverschwendung und lenkt unsere Aufmerksamkeit in eine destruktive Richtung. Die linke Gehirnhälfte versteht das zwar zu 100 Prozent, die rechte Gehirnhälfte und vor allem das limbische System kommen jedoch immer wieder mit einem großen „Ja aber“ um die Ecke. Trotzdem ist es sinnvoll, dass wir uns immer wieder daran erinnern, um zu verhindern, dass unsere Emotionen mit uns durchgehen.
Ich beschäftige mich auch gerade ein wenig mit dem Stoizismus. Um noch kurz ein Buzzword unterzubringen möchte ich an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen, dass es erstaunliche Parallelen zwischen dieser mehr als 2.000 Jahre alten Lehre und der Philosophie hinter dem Bitcoin Netzwerk gibt. Wen dieses Thema interessiert, dem möchte ich das Buch „Virtus Digitalis“ von Alexander Best ans Herz legen. Der Autor kommt aus der Nähe von Wiesbaden, redet im hessischem Slang und deshalb kommt auch ein Zitat in dem Buch von Herzen:
Bevor isch misch uffresch, isses mir liewer egal.
Und das ist so etwas wie die hemdsärmelig formulierte, zentrale Botschaft des Stoizismus: Lerne zwischen dem zu unterscheiden, was du beeinflussen kannst und dem, was du nicht beeinflussen kannst. Lerne, Letzteres hinzunehmen und dich auf Ersteres zu fokussieren. Und genau das ist mein zweites Argument dafür, warum ich keine Angst vor der KI Revolution habe. Sie wird kommen, ob ich will oder nicht, deshalb lege ich meinen Fokus lieber darauf, wie ich damit umgehe, anstatt mir Sorgen zu machen.
Meine beiden ersten Argumente waren eher passiver Natur. Ich kann es nicht verhindern und Angst ist eh doof – warum also bei dem Spiel mitmachen. Nun möchte ich den Übergang zu aktivem Konstruktivismus (oder konstruktiver Aktivität) machen.
Teufelszeug?
Stellen sie sich vor, sie sind gegen Ende des 18. Jahrhunderts geboren und alles, was nicht niedergeschrieben oder gemalt wurde, befindet sich ausschließlich in ihrem Gedächtnis. Dann sehen sie um 1840 herum das erste Mal eine Fotografie. Sie zeigt eine in Materie gebannte Erinnerung. Es gibt keinen Zweifel daran, dass sie die vergangene Realität zeigt, anders als bei Portraits oder Texten, die die Vergangenheit immer durch den Filter des Autors oder Malers zeigen. Ist das Teufelszeug? Hat es negative gesundheitliche Auswirkungen auf die dargestellte Person? Wird vielleicht sogar ein Teil der Seele aus dem Menschen gerissen und auf die Bildplatte transferiert? Diese Art von Ängsten und Sorgen haben die Menschen damals sicherlich umgetrieben.
Nun stellen sie sich vor, sie sitzen in der ersten öffentlichen Filmvorführung der Brüder Lumière am 28. Dezember 1895 in Paris und sehen, wie die riesige Dampflok auf der Leinwand auf sie zu rast. Ihr Nervensystem will sie dazu bringen beiseite zu springen, um nicht überfahren zu werden. Schweißperlen stehen auf ihrer Stirn und dann ist der Film vorbei und sie haben es überlebt.
Transformation tut nur kurz weh
Mit diesen beiden Beispielen möchte ich darauf hinweisen, dass die Veränderungen, die die Anwendung der Künstlichen Intelligenz im beruflichen, gesellschaftlichen und persönlichen Alltag bringt zwar riesig und umwälzend sind, es jedoch nicht das erste Mal ist, dass die Menschheit derart große gesellschaftliche Transformationen durch Technologie überlebt hat. Schließlich hat sich auch die Überzeugung der Ärzte im 19. Jahrhundert, dass der menschliche Körper Geschwindigkeiten von mehr als 30-40 km/h nicht ohne Schaden überleben kann, glücklicherweise letztlich als falsch herausgestellt.
Das Prinzip hinter dieser Art von Ängsten ist immer: Neue Technologien werden entwickelt – es fehlen persönliche und gesellschaftliche Erfahrungswerte – daraus entstehen virtuelle Horrorszenarien. Die Realität ist jedoch die folgende: Bisher hat die Menschheit, wie wir sie kennen, alle technologischen Revolutionen überlebt.
Natürlich sind die Phasen, in denen sich eine neue Technologie verbreitet und durchsetzt anstrengend und es gibt negative Konsequenzen wie beispielsweise Arbeitslosigkeit, weil alte Berufe obsolet gemacht werden. Diese akuten Phasen sind in der Vergangenheit jedoch auch immer nach einigen Jahren wieder vorbei gewesen und die Menschheit hat sich neu sortiert. So wird es auch diesmal sein.
Don’t Panic
Wer lernt, die Wellen dieses unaufhaltsamen Tsunamis zu surfen anstatt sich vor Angst in sein Schneckenhaus zurückzuziehen, hat deutlich bessere Chancen, den Kopf über Wasser zu behalten.
Haben sie also keine Angst davor, dass man heutzutage reale Videos und Audioaufnahmen nicht mehr von KI Produktionen unterscheiden kann. Das ist wie damals, als man auf einmal die Vergangenheit auf Papier bannen konnte und nicht mehr nur auf die Erinnerung angewiesen war. Alles was zu tun ist, ist sich dieser Realität bewusst zu sein und sein Denken und Handeln entsprechend anzupassen. Das bleibt ein Prozess, der mitunter auch anstrengend ist, die allermeisten Menschen werden ihn jedoch überleben.
Erinnerungen an die Zukunft
Nach all den 3D Argumenten fehlt mir in diesem Text noch ein weiterer Aspekt, der zutiefst persönlich und dementsprechend nicht belegbar ist. Nennen sie mich einen Spinner, aber tief in meinem Innersten bin ich davon überzeugt, dass ich schon einmal in einer Zivilisation gelebt habe, in der all die Technologien, die gerade dabei sind zu entstehen, zum Alltag gehört haben. Spracherkennung, künstliche Intelligenz, selbstfahrende Autos – all das fühlt sich auf einer tiefen Ebene für mich völlig natürlich, selbstverständlich und vor allem sicher an.
Es ist nicht so, dass ich konkrete Erinnerungen an etwas habe, jedoch erscheint mir die Vorstellung, mir ein Robotaxi zu rufen, mich reinzusetzen, ein bisschen zu lesen und entspannt am Ziel auszusteigen in etwa so natürlich, wie mir abends die Zähne zu putzen. Manchmal wundere ich mich über mich selbst, aber es ist tatsächlich so, und ich freue mich schon darauf, diese „Erinnerung“ das erste Mal hier in dieser Inkarnation wieder zu erleben.
Gleiches gilt für das Thema künstliche Intelligenz. Auch wenn ich meine Kolumne nach wie vor selbst schreibe – das wird sich auch nicht ändern – bin ich äußerst aktiv dabei, die Möglichkeiten zu erforschen, die die KI in Bezug auf Gebrauchstexte, Programmierung und Unterstützung bei geschäftlichen Prozessen bietet. Manchmal habe ich gerade dabei sogar Schwierigkeiten damit, mit meinen Ideen und Gedanken Schritt zu halten … auch mein Tag hat nur 24 Stunden.
Technologie ist neutral
Jede Art von Technologie ist letztlich nur ein Werkzeug. Man kann es für Gutes aber auch für Schlechtes benutzen. Und jeder von uns hat die Aufgabe herauszufinden, was man persönlich damit umgehen will. Eines ist jedoch sicher: Nichts und niemand wird diesen Zug aufhalten und es wird viel Positives, viele disruptive Veränderungen und vermutlich auch eine Menge an Missbrauch geben. Virtuelle Ängste und Sorgen sind jedoch verschwendete Energie, die wir besser investiert ist, wenn wir uns technisch bilden und sowohl mit dem Spieltrieb eines Kindes als auch mit der Lebenserfahrung eines Erwachsenen diese neue Welt erforschen.
Zwei Essenzen, die mir dabei in den Sinn kommen sind Bottlebrush und Little Flannel Flower, beide von Ian White und den Australischen Buschblüten Essenzen. Bottlebrush hilft uns dabei, mit Veränderungen umzugehen und Little Flannel Flower kitzelt den Spieltrieb und die kindliche Unvoreingenommenheit wieder hervor, die beim Erwachsenwerden allzu oft unter die Räder gekommen sind.
Beide Essenzen erhalten Sie wie immer bei uns im Shop und wenn Sie aus erster Hand mehr darüber erfahren wollen, lege ich Ihnen nochmals das Wochenendseminar „Die Sprache der Australischen Buschblüten“ ans Herz, in dem Sie von Ian White persönlich mehr über diese und viele andere seiner Essenzen lernen können. Ich würde mich freuen, wenn wir uns am 27. und 28. Juni 2026 in Aschaffenburg persönlich treffen.
Liebe Grüße aus Aschaffenburg
Carsten Sann
Der Essenzenladen
